Allgemeines                                                                 

Die meisten der folgenden Fragen sind im Web schon zuhauf gefragt und beantwortet worden. Trotzdem möchte ich sie der Vollständigkeit halber hier noch mal kurz beantworten. 

Was ist Mantrailing?

Mantrailing ist die Suche nach einer bestimmten Person anhand eines Geruchsstoffs. Dabei wird der Hund an einer Stelle angesetzt, wo man weiß bzw. vermutet, dass die Person dort zuletzt gewesen  ist (PLS), so dass der Hund die Trail von dort aus bis zur Person verfolgen kann. 

Wo ist der Unterschied zwischen Mantrailing und Fährten?

Beim Fährten orientiert sich der Hund vorrangig an den Bodenverletzungen, die durch das Gehen auf Gras, Erde, Laub etc. entstehen. Dem Hund wird kein Geruchsartikel gegeben, der Beginn der Fährte ist deutlich gekennzeichnet, die Fährte verläuft in der Regel nicht über steinigen Boden oder Asphalt, weil dort keine Bodenverletzungen entstehen können.
Beim Trailen spielen die Bodenverletzungen eine untergeordnete Rolle, weil der Hund sich an den Geruchspartikeln orientiert, die jedes Säugetier ständig abstößt. Daher kann eine Trail auch über Asphalt oder Beton etc. führen, ohne dass das für den Hund ein ernstes Problem wäre. Die Geruchspartikel, die jeder Mensch abstößt, sind übrigens - wie auch der Fingerabdruck - für jeden Menschen einzig, d.h. keine zwei Personen riechen genau gleich. Daher kann der Hund eine bestimmte Person und deren Weg eindeutig bestimmen und verfolgen - sogar durch eine belebte Fußgängerzone hindurch.
 
Welcher Hund ist geeignet?

Geeignet sind Hunde, die gerne arbeiten, selbstsicher - das heißt nervlich belastbar - und menschenfreundlich sind. Persönlich würde ich auch für Hunde plädieren, die nicht wesentlich mehr als 20 Kilogramm wiegen. Gelegentlich hört man auch die Frage, ob ein Hund, der für die Flächensuche nicht geeignet ist, stattdessen zum Mantrailer ausgebildet werden kann. Es gibt nur zwei Gründe, die mir einfallen, warum ein Hund nicht zur Flächensuche ausgebildet werden könnte: er ist zu aggressiv oder zu ängstlich. Beides sind für mich auch ausschließende Faktoren fürs Mantrailing. Insofern würde ich diese Frage eindeutig verneinen. Überdies kommt noch hinzu, dass das Mantrailing eine deutlich anstrengendere Form der Sucharbeit ist, bei der noch mehr Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer gefragt ist als bei der Flächensuche.
Etwas anderes ist es, wenn der Hund aufgrund seines Jagdtriebs nicht zur Flächensuche ausgebildet werden sollte, weil es zu gefährlich wäre, ihn von der Leine zu lassen. Für solche Hunde ist das Mantrailing u. U. eine gute Alternative. 

Können das nur Bloodhounds?

Nein, genauso wie man nicht nur in einem Ferrari von Hamburg nach München fahren kann, sondern auch z.B. mit einem Trabbi, kann man im Prinzip jede andere Hunderasse zum Mantrailen ausbilden, denn die Grundvoraussetzungen (eine Nase) hat jeder Hund. Auch orientiert sich jeder Hund - ob er nun ausgebildet wird oder nicht - in erster Linie über die Nase, bzw. den Geruch. Trotzdem gibt es sicherlich Rassen und auch Individuen, die geeigneter sind als andere. So sind Jagdhunde (ich fasse den Begriff hier sehr weit, also alle Hunde die zur Jagd eingesetzt werden und wurden) seit Generationen darauf gezüchtet Spuren zu folgen. Die Wahrscheinlichkeit, unter den Jagdhunden einen geeigneten Kandidaten zu finden, ist daher relativ groß. Das heißt aber nicht, dass Hunde anderer Rassen ungeeignet wären. Beheisha Grist z.B. führt einen Malinois als Mantrailer. 

Bloodhounds sind sicherlich die "Ferraris" unter den Mantrailern, aber sie haben auch zwei gravierende Nachteile für potenzielle Mantrailing-Führer: erstens sind sie relativ groß und schwer, was für viele der Hundeführer (bzw. deren Rücken) ein Problem darstellen dürfte, insbesondere wenn dieser losspringt oder im vollen Lauf einen Abhang nach unten nimmt. Das zweite Problem ist, dass Bloodhounds zumindest für Anfänger alles andere als leicht auszubilden sind. Nicht wenige Bloodhounds sind grottenschlechte Mantrailer, weil die Hundeführer sie nicht dazu bekommen können, die Trail zu verfolgen, die sie sollen (und nicht, die der Hund gerade will). Andere Rassen sind da kooperativer. 

Sind Rüden besser als Hündinnen?

Ich habe einige Untersuchungen gelesen, wobei es den Anschein hatte, als gäbe es einen generellen Unterschied in der Riechleistung von Rüden und Hündinnen. Jack Shuler bestätigte dies aber nicht, sondern meinte im Prinzip seien beide Geschlechter gleich gut; wenn überhaupt ein Unterschied bestünde, dann mit leichten Vorteilen für die Hündinnen.  

Braucht man Mantrailer überhaupt?

Hier kann ich natürlich nur eine persönliche Antwort geben: bei den Einsätzen, die wir in unserer Rettungshundestaffel hatten, wäre bisher jedes Mal ein  Mantrailer nützlich gewesen, und sei es nur, um zu bestätigen, dass die Person gar nicht dort gewesen ist. In mindestens drei Fällen hätte der Mantrailer auch eine reelle Chance gehabt, den Einsatz mit einem Fund zu beenden. Für die Angehörigen wäre in diesem Fall die Ungewissheit schneller beendet gewesen; ich bin sicher, sie hätten nichts gegen den Einsatz eines Mantrailers gehabt. Für mich steht die vermisste Person und deren Angehörige immer noch im Vordergrund, nicht das persönliche Ego, das sagen will "ich habe ihn gefunden". Das nutzt der vermissten Person wenig, wenn man sie zu spät gefunden hat, weil persönlicher Ergeiz die Hilfsmaßnahmen behindert oder verlangsamt hat.

Natürlich kann an dieser Stelle auch nicht verschwiegen werden, dass Mantrailer kein Allheilmittel sind, und beim Mantrailen sehr viel schief gehen kann. Ich plädiere sicherlich nicht für den alleinigen Einsatz von Mantrailern auf biegen und brechen.
Aber abgesehen von diesem "ernsten" Hintergrund ist es auch für die Hunde eine schöne Art der Beschäftigung. Wenn man keinerlei Ambitionen hat in Einsätze zu gehen, sondern nur "just for fun" Mantrailing als Alternative zum Fährten etc. machen möchte, ist es für Hund wie Hundeführer ein spaßiger wie interessanter Zeitvertreib. Insofern hat das Mantrailing auf alle Fälle ihre Berechtigung. Natürlich wird es dann ein sehr anspruchsvolles und zeitaufwändiges Hobby.

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